Die Kontrollillusion gehört zur Gruppe der kognitiven Verzerrungen. Kognitive Verzerrungen sind systematische Denkfehler bei der Wahrnehmung und Bewertung von Informationen, die dazu führen, dass wir Entscheidungen nicht rein rational treffen. Stattdessen verlassen wir uns auf vereinfachte Denkmuster, die in vielen Situationen hilfreich sein können, in komplexen Entscheidungssituationen jedoch häufig zu Fehlurteilen führen. Die wissenschaftliche Forschung zu kognitiven Verzerrungen ist seit Jahrzehnten sehr umfangreich und gut belegt.
Die Kontrollillusion wurde erstmals 1975 von der amerikanischen Psychologin Ellen Langer beschrieben. In einer vielbeachteten Studie zeigte sie, dass Menschen ihre Gewinnchancen beim Lotto deutlich höher einschätzen, wenn sie ihre Zahlen selbst auswählen dürfen, als wenn ihnen die Zahlen zufällig zugeteilt werden. Objektiv ändert sich an der Gewinnwahrscheinlichkeit nichts – subjektiv entsteht jedoch das Gefühl, mehr Einfluss auf den Ausgang zu haben.

Kontrollillusion bedeutet, dass Menschen glauben, Ereignisse beeinflussen oder kontrollieren zu können, die in Wirklichkeit weitgehend oder vollständig vom Zufall bestimmt sind. Je vertrauter eine Situation erscheint, je mehr Informationen verfügbar sind oder je aktiver wir eingebunden sind, desto stärker neigen wir dazu, unseren tatsächlichen Einfluss zu überschätzen.
Im Entscheidungsalltag führt die Kontrollillusion dazu, dass wir unnötige Risiken eingehen, Warnsignale ignorieren und Entscheidungen, die sich bereits als ungünstig erweisen, zu spät korrigieren. Besonders problematisch ist dabei, dass Misserfolge häufig äußeren Umständen zugeschrieben werden, während Erfolge als Bestätigung der eigenen Kontrolle interpretiert werden.
Eine neuere Studie zur Kontrollillusion stammt aus dem Finanzkontext und untersuchte deren Auswirkungen bei Londoner Börsenhändlern. Die Forscher zeigten, dass Trader mit einem ausgeprägten Kontrollgefühl häufiger handeln, höhere Risiken eingehen und gleichzeitig davon überzeugt sind, Marktentwicklungen besser vorhersehen zu können als ihre Kollegen. Die starke Kontrollillusion führte zu Überaktivität, überhöhtem Selbstvertrauen und einer geringeren Bereitschaft, Verluste frühzeitig zu begrenzen.
